Den Eintrag habe ich heute gemacht, aber das Ereignis ist schon ein paar Tage her.
Als ich bei
www.amazon.de nachgeschaut habe, ob mein Lexikon noch angeboten wird (es ist beim Verlag seit drei Monaten wegen meiner Überarbeitung vergriffen), da fand ich einen Anbieter, der dafür nicht den Listenpreis von 19,90 Euro haben wollte, sondern stolze 128,86 Euro.
Nun biete ich das Lexikon vielleicht zu billig an ;-), aber der Preis war schon wirklich hoch, also wollte ich hinter das Geheimnis kommen.
Der Anbieter hat einen werblichen Namen, der wohl dem Kunden vermitteln soll, dass er jedes Buch besorgen könne. Der Name besteht aus englischen Wörtern und es wird auf Zollgebühren verwiesen, also handelt es sich wohl nicht um einen deutschen oder europäischen Anbieter.
Vielleicht hat sich der Händler einfach beim Umrechnen des Wechselkurses vertan, kann ja mal passieren.
{Es wäre natürlich auch denkbar, dass er einfach nur auf einen "Doofen" wartet, es gibt ja Händler, die nach der Devise leben "Jeden Tag steht ein Dummer auf und das ist mein Kunde, den ich so richtig abkassiere. Davon kann ich dann besser und mit weniger Arbeit leben, als 10 Kunden ehrlich zu bedienen.}
Nun, das war aber nicht alles, denn unter dem Satz mit den Zollgebühren stand "Nizza Buch" und eine Lieferzeit von 1 bis 2 Wochen. Nun auf ein Nizza Buch kann man ja mal eine Weile warten, es ist ja schließlich etwas ganz Besonderes, das man kaum irgendwo findet. Die südfranzösische Stadt Nizza ist bekannt für Luxus und Lifestyle, liegt auf dem halben Weg die Cote d'azure hinauf nach Monacco.
Ein Nizza-Buch ist sicher wie dieses Edel-Handy für russische Milliardäre mit Brillianten besetzt oder bei dem Preis vielleicht auch nur mit Swarovski-Steinen, so wie die Damen-Edition eines pink-farbenen Medion-Netbooks.
Von Brillianten, ja nicht einmal von Strasssteinen stand jedoch etwas in der Beschreibung. Wo kommt also der Aufpreis von 110 Euro her? Gold, ja Gold musste es sein, kam mir in den Sinn. Schließlich wurden die Blätter von Büchern früher an den Rändern durch eine dünne Schicht Goldfarbe vor der Sonne und damit vor dem Vergilben geschützt.
Dieser ausländische Händler musste mein Lexikon oder vielleicht auch alle Bücher so lieben, dass er sie extra mit einer Goldschicht versieht, das natürlich nur auf Bestellung, daher die 1 bis 2 Wochen Lieferzeit.
Doch zur Sicherheit wollte ich das durch eine Google-Suche verifizieren. Das Nizza-Buch war auch schon anderen Menschen aufgefallen, erfuhr ich durch Blog- und Forumeinträge. Was es damit auf sich hat, wusste aber wohl nicht einmal die angerufene Amazon-Mitarbeiterin zu sagen, die das "sehr interessant" fand (aber wohl nicht irgendwie gegen Amazon-Regeln oder Gesetze verstossend, denn das Nizza-Buch findet sich noch in der Artikelbeschreibung vieler Bücher und CDs bei Amazon).
Also weiter googeln, denn wer suchet, der findet, wenn auch nicht immer das, was er gesucht hat. Nicht immer ist das Ergebnis gut für das Ego, nein, mein Lexikon hat niemand mit Brillianten oder wenigstens Swarovski-Steinen verziert. Auch die Vorstellung, mein Lexikon wäre wie eine Gespielin von James Bond im Film "Goldfinger" in ein Goldbad getaucht worden, musste der harten Wirklichkeit des Real Life weichen:
Ein Nizza Buch ist einfach die missglückte Übersetzung des englischen "nice book", also nettes Buch. Google macht bei der Übersetzung aus dem Adjektiv "nice" die Stadt "Nice" und das ergibt dann übersetzt Nizza - aus dem nice book wird ein Nizza Buch!
Kaum zu glauben, oder? Was mag sich noch an solchen haarsträubenden Übersetzungsfehlern im Internet finden. Vielleicht kennt ja noch jemand hier einen solchen Kalauer. Das Nizza Buch hat jedenfalls Eingang in mein Lexikon gefunden.